Rundgang durch das Heimatmuseum

von Rudlf Jaeckel

Heimatmuseum Stadt Teltow „Ältestes Haus“
in Teltow, Hoher Steinweg 13

Für den Namen Teltow, den ja gleichermaßen ein Ort und eine Landschaft tragen, gibt es keine ge­sicher­te Deutung. Auch liegt der Zeitpunkt der Erstbesiedlung des topographisch günstig gelege­nen Ortes im Dunkeln.

Die Gründung der Stadt Teltow fällt mit größter Wahrscheinlichkeit in die Zeit der deutschen Be­siedlung unmittelbar nach der Besitzergreifung dieses Landesteiles durch die Askanier.

Eine Urkunde (Ersterwähnung) weist aus, daß Teltow schon 1265 Stadtrechte erhielt. Dazu gehört das vom Landesherrn verbriefte Recht der Teltower Handwerker zur Bildung von Innungen. Bürger der Stadt, deren Rechte und Pflichten die Eidesformel auswies, waren vornehmlich die Bauern (=Ackerbürger) und die Handwerksmeister mit Besitz an Haus und Hof.

Es gibt also eine Stadtgeschichte über fast siebenhundertfünfzigjährige Entwicklung mit vielem Auf und Ab. Diese Geschichte ist den heutigen Bürgern nur wenig bekannt.

Das Heimatmuseum veranschaulicht die ortsbezogene Geschichte. Gerade in Teltow, wo sich durch die Expansion der Industrie die Zusammensetzung der Bevölkerung sehr stark verändert hat und Heimatgefühl und Heimatbewußtsein zeitweilig nur gering ausgeprägt waren, kann und soll das Museum dazu beitragen, dass auch die heutigen Bürger, insbesondere die Jugend, wieder eine engere Beziehung zu ihrem Wohn- bzw. Heimatort erhalten.

Das Museumsgebäude ist ein unter Denkmalschutz stehendes Haus, das für sich dem Besucher vieles Ansehenswertes bietet. Wie der Erinnerungstafel am Dachausbau zu entnehmen ist, wurde das sog. »Älteste Haus« nach dem großen Stadtbrand von 1711 erbaut.

Besonders die ältesten noch erhaltenen Elemente dieses Hauses geben interessante Einblicke in die ältere Bautechnik. Da im das Heimatmuseum nur eine Ausstellungsfläche von etwa 100 m2 zur Verfügung steht, musste eine die Besonderheiten Teltows berücksichtigende thematische Auswahl getroffen werden.

Im Eingangsbereich erhält der Besucher durch Text- und Bildtafeln Erläuterungen zur Struktur und Bauweise des Hauses und sieht Originalelemente.

Raum Stadtgeschichte

Raum Stadtgeschichte

In diesem Raum macht ein umlaufendes Schriftband den Besucher mit wichtigen Daten und Ereignissen aus der Geschichte der Stadt bekannt, die durch eine Anzahl von Dokumenten belegt wird.

Stadtmodell (1890), Karten, Zeichnungen und Fotografien vermitteln ein Bild von der topographischen Lage, der Struktur und der Bebauung der Stadt. Ein­bezogen darin sind auch Angaben zu Verkehrswesen, Handel und Gewerbe. Die Foto­grafien stammen über­wie­gend aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts.

In diesem Raum findet auch Gegenständliches aus verschiedenen Zeiten seinen Platz, beginnend mit vor- und frühgeschichtlichen Funden bis zu Er­zeugnissen der Industrie im 20. Jahrhunderts und landwirtschaftliches Gerät, das an die Arbeit in der einstigen Acker­bür­gerstadt erinnert.

Raum Stube–Wohnen–Vereinswesen

Stube, Wohnen, Vereinswesen

Das Mobiliar und die sonstigen Einrichtungsgegen­stände vermitteln den Eindruck, in einer Wohnstube zu sein, wo aber auch häusliche Tätigkeiten (Weben, Spinnen, Bügeln, Nähen usw.) verrichtet wurden.

Auch wie man sich gekleidet hat, erfährt man auf anschauliche Weise. Einige Foto­grafien spiegeln die damaligen Lebensverhältnisse wieder. Eine Gemäldekopie erinnert an Lyolel Feininger.

Raum Küche – Teltower Rübchen

Küche – Teltower Rübchen

Hier wird Typisches, Bemerkenswertes aber auch Kurioses zum Thema Küche aus etwa 200 Jahren gezeigt.

Außer­dem wird hier, wo früher tatsächlich die pikant schmeckenden Rübchen zubereitet wurden, anhand von Präparaten und Texten über dieses Feldgemüse berichtet, das den Namen »Teltow« weit über die Landes­grenzen hinaus bekannt gemacht hat.

Raum Handwerk

Werkstatt

Da das Wirken der Handwerker den städtischen Charakter Teltows entscheidend mitbestimmt hat, wird das Handwerk im Teltower Heimat­museum be­sonders hervorgehoben.

Eine relativ kleine Fläche steht zur Verfügung, um die holz- und metallverarbeitenden Gewerke vorzu­stellen. Das ausgestellte alte Werkzeug vermittelt einerseits den Eindruck einer großen Vielfältigkeit und bezeugt andererseits, dass es in Art und Form über die Jahrhunderte eine große Beständigkeit gibt. Beredte Zeugnisse der spanabhebenden Metall­verarbeitung bilden zwei Werkzeugmaschinen mit Fußantrieb.

Da auch die Schuhmacher schon im Mittelalter in relativ großer Zahl in Teltow ansässig waren und zu den Gewerken gehörten, die eine Innung bildeten, wird eine solche Werk­statteinrichtung andeutungsweise gezeigt.

Dachboden

Dachboden

Der aus der Erbauungszeit stammende Dachboden bietet interessante Einblicke in die Dachkonstruktion (Splißdach). Der Dachboden wird für die Präsentation von robustem Hausrat, etwas Waschtechnik, einer Konservenbüchsen-Verschließ-Vor­rich­tung, sowie landwirtschaftlicher Geräte inkl. Waagen, genutzt.

Dachstube

Weitgehend erhalten ist der Aus­bau der Dachstube (Fachwerk mit Lehmstakenfüllung). Die Ausstellung in der Dachstube erinnert daran, dass dieser Raum von jeher als Schlafraum genutzt wurde und umfasst ein Bett mit Wärmflaschen und ein Schrank mit Wäsche. Eine Besonderheit sind der erhaltene Kamin und eine einfachen Waschgelegenheit. Eine Nähmaschine und Handarbeiten erinnern an modernere Zeiten.

Museumshof hinter dem Haus

Museumshof

Hier wird mit restaurierten landwirt­schaftlichen Großgeräten aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts an die bereits von industriel­lem Gerät geprägte Zeit der abklingenden Bedeutung der Land­wirtschaft in der einstigen Acker­bür­gerstadt hingewiesen. Gezeigt werden hier, vorläufig unter freiem Himmel, Pflug und Egge, Mähbinder, Gras­mäher, Bodenfräse, Sämaschine, Stroh­schneider u.a.