Der Ruhlsdorfer Gutsfriedhof

von Anton Sieber (2007)

Wo sich die Füchse vom Rieselfeld und die Ruhlsdorfer Dorfhasen Gute Nacht sagen, dort liegt der Ruhlsdorfer Gutsfriedhof.

Gutsfriedhof Ruhlsdorf, Foto: Anton Sieber (2007)

Er ist schwer zu finden und mit Fahrzeugen nicht mehr legal zu erreichen. Von der Genshagener Straße aus, 700m südlich des Landhotels Hammer, führt links abzweigend ein breiter Waldweg durch hohen Kiefernwald in die Nähe des Fried­hofes. Diesen Weg hat die Berliner Forstverwaltung als Privatweg deklariert und für fremde Fahrzeuge gesperrt. Auf diesem Wege tritt man nach 400m an einer Wegkreuzung aus dem Wald heraus und sieht im Osten die große Ebene der ehemaligen Ruhlsdorfer Rieselfel­der. Man folgt jetzt einem schmaleren Weg etwa 100 m nach links bis zu einem Laub­wald, an dessen Rand ein Hochsitz nicht zu übersehen ist. Er markiert die südliche Grenze des Gutsfriedhofs, dessen Reste man auf der rechten Seite des Weges im Herbst nach dem Blätterfall am besten finden kann.

Ein einziger einsamer Betonpfahl ist vom Friedhofstor übrig geblieben, hinter dem eine kurze Lindenallee noch heute auf das Gelände des Friedhofs führt. Er war etwa 35 x 35 m groß und von einem Holzzaun mit einer Hecke dahinter umgeben. In der Nähe des Einganges gab es einen Brunnen mit einer Pumpe. Das Gräberfeld ist heute in einem trostlosen Zustand. Wie sollte es auch anders sein, nachdem in den letzten 40 Jahren dort niemand mehr beerdigt worden ist, auf diesem Friedhof im Wald, fast 1 km von der Dorfkirche entfernt und ohne einen festen Zufahrtsweg. Ein Zaun existiert nicht mehr. Die meisten Grabsteine sind umge­fal­len oder umgestürzt worden und liegen, von Pflanzenwuchs überwuchert, am Boden. Das ist nicht alles dem Vandalismus zuzuschreiben. Im 2. Weltkrieg z.B. schlug neben dem Friedhof eine Bombe ein, die vom Grabstein des Hauptwachtmeisters Augustin das Oberteil mit dem Namen abriss. Es liegt seitdem hinter dem noch stehenden unteren Teil des Steines. Augustin gehörte zur Familie der Ruhlsdorfer Wirtshausbesitzer vor Hammer.

Grabstelle Hammer, Foto: Peter Jaeckel (2007)

Mehr als 50 Jahre hat das Grab von Walter und Martha Hammer dank der guten Pfle­ge durch die Nachkommen überstanden. Dort ruhen die Großeltern der heutigen Besitzerin von Ham­mers Landhotel.

Nicht zu übersehen ist ein mannshoher Grabstein für den Diplom-Landwirt Karl Müller und seine Familie, einst wohnhaft im Gut Ruhlsdorf.

Er war der erste Direktor der 1918 gegründeten Versuchswirtschaft für Schweine­hal­tung, -fütterung und -zucht GmbH Ruhlsdorf, Kreis Teltow, Dorfstraße 1. Im Gutshof erinnert noch heute je ein großer Findling mit Bronzerelief an Karl Müller und Ferdinand von Lochow, den ersten Vorsitzenden des Verwaltungsrates der GmbH. Nur 50m dahinter kann man sich im 1993 gegründeten Deutschen Schweinemuseum an jedem Donnerstag von 11 bis 17 Uhr über die Geschichte der Schweinezucht und die Wissenschaftler informieren, die in Ruhlsdorf tätig waren.

Grabstelle Müller, Foto: Peter Jaeckel (2007)

In Ruhlsdorf gab es, wie auch in vielen anderen märkischen Dörfern, ein Gut, dessen Bewoh­ner einem sogenannten Gutsbezirk zugerechnet wurden. Alle anderen gehörten zur Gemeinde Ruhlsdorf. Im Jahre 1926 hatten Gut und Gemeinde insgesamt 862 Einwohner. Davon lebten nur 159 im Gutsbezirk mit dem eigenen Friedhof, für den 1914 die erste Beerdigung aufge­zeich­net ist. Von 1914 bis 1970 fanden auf dem kleinen Friedhof im Wald 37 Bewohner des Gutsbezirks ihre ewige Ruhe. Am Ende der 1970er Jahre soll der Friedhof aber schon nicht mehr gepflegt worden sein.

Den Teltowern sei empfohlen, eine Wanderung zum Gutsfriedhof, zur Bernadotte-Linde oder zu den Ruhlsdorfer Rieselfeldern mit einem Besuch des Deutschen Schweinemuseums zu beginnen. Danach kann man im Kirchhof der Dorfkirche die Grabkreuze der Gutsbesitzerfa­milie Bouvier besichtigen. Am östlichen Ende der Dorfstraße zweigt ein Wirtschaftsweg nach rechts ab, der heute leider durch einen Zaun und ein Tor versperrt ist. Davon sollte sich der Wanderer nicht abschrecken lassen. Für Fußgänger hat der Besitzer der anliegenden Pferde­pen­sion eine Tür offengelassen, hinter der man an Pferdekoppeln vorbei die genannten Ziele erreichen kann.