Der Teltower Hafen

von Anton Sieber (2005)

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Teltow eine „Hafenstadt“. Mit der Inbetriebnahme des Teltowkanals im Jahre 1906 entstand am Ende der Badstraße Teltows öffentlicher Hafen, der danach fast 40 Jahre lang die Ansiedlung der Industrie in unserer Region sehr gefördert hat. Außerdem existierten am Kanal auch Privatladestellen damaliger Firmen wie Nationale Radiatoren GmbH, Deutsche Asbestwerke, Porzellanfabrik Teltow und Teltow-Werft.

Abb. 1: Portalkrananlage

Die Geschichte des Teltower Hafens begann 1906 ohne einen Bahnanschluss. Aber schon 1909 verband die inzwischen fertiggestellte Teltower Industriebahn den Hafen und die Firmen mit Anschlussgleis mit dem Bahnhof Teltow der Anhalter Bahn, der leider 3 km vom Stadtzentrum entfernt war und noch ist. Bis 1928 endete die Industriebahn nach 8 km Gleislänge am Hafenbahnhof, an der Westseite der Badstraße am Kanal gelegen. Ein kleiner Wellblechschuppen diente als Bahnhofsgebäude. Wie damals der Umschlag der Güter zwischen Kanal und Schiene ablief, konnte nicht ermittelt werden. Immerhin gab es zu dieser Zeit schon Dampfkräne.

1931 berichtet Adolf Hannemann, Kämmerer des Kreises Teltow:

„1928 wurden die Erneuerungen der Einführungsanlagen in den Reichsbahnhof Teltow beendet. Die Gleisanlagen über den Endpunkt in Teltow wurden bis an das Hafenbecken herangeführt, so dass der Umschlag auf die Industriebahn erfolgen kann.“

Damit war eine Verlängerung des Industriebahngleises auf das östlich der Badstraße gelegene Kanalufer gemeint. Dort befand sich die Anlegestelle der Personenschiffahrt, nur etwa 100 m von der Badstraße entfernt. Sie musste der Erweiterung der Hafenanlagen weichen und wurde östlich der Knesebeckbrücke angelegt.

Weiter heißt es bei Adolf Hannemann:

„Die vielen Kähne mit Baustoffen, Kohlen und Rohprodukten für die Fabriken, insbesondere für die Bitumuls-Kaltasphalt-Fabrik, welche am Hafen anlegten und auf Entleerung warteten, bedingten eine neuzeitliche Umgestaltung und Beschleunigung der Verladevorrichtungen. So wurde im Jahre 1928 durch die Teltowkanal-A.G. Ein 3,5 t Greiferdrehkrahn mit fahrbarem Volltor aufgestellt. Die Anlage erforderte wegen des schlechten Baugrundes eine umfangreiche künstliche Gründung, welche durch Einrammung von mit Eisen ummantelten Eisenbetonpfählen hergestellt wurde.“.

Wilhelm Reichner hat den Hafenbetrieb 1930 in einer Zeichnung festgehalten und dazu erklärt:

„Großer Ziegelsteine ausladender elektrischer Vollportalkran und Kies lö­schen­der Dampfkran am Hafen Teltow des Teltowkanals“.

Abb 2: Portalkrananlage, Zeichnung: Wilhelm Reichner 1930

Man erkennt das über die Güterwagen hinweg auf zwei Schienen fahrbare Portal mit einer Durchlaßhöhe von etwa 5 m. Der Kranausleger bewegte sich in einer Höhe von etwa 13 m. Die Kranbahn war 46 m lang, und ihre Spurweite betrug 5 m.

Zwischen dieser breiten Spur lag das Normalspurgleis der Industriebahn. Die Halle hinter dem Kran gehörte der Baufirma AHAG, und am linken Bildrand erscheint der Giebel der Mietskaserne Badstraße 5, damals „Rote Kaserne“ genannt, ein Backsteinbau,der heute nicht mehr vorhanden ist. Mit der neuen Technologie hatte sich der Warenumschlag innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Schiffsverkehr mit den elektrischen Treidellokomotiven auf dem Teltowkanal zum Erliegen. Die kriegsbedingten Schäden an den Brücken, Treidelbahngleisen und Oberleitungen waren zu groß um einen Neubeginn zu wagen. Auch der Portalkran hatte einen Treffer erhalten.

Am Teltower Hafen legten keine Schiffe mehr an, er verfiel. Die Masten der elektrischen Treidelbahn wurden im Bereich des Hafens erst 1961 abgeschweißt.

Abb3 : Lageplan Teltower Hafen 1906-1953

Noch ist der Teltower Hafen nicht ganz verschwunden. Wer sich für seine Reste interessiert, der kann am Ende der Badstraße fündig werden. Östlich der Badstraße, wenige Meter vom Kanalufer entfernt,stoßt man inmitten von Strauchwerk und Efeu auf zwei etwa 60 cm hohe Prellböcke aus Stahl, die das Ende des Krangleises nach Westen hin markierten.

40 m weiter östlich kommt ein Stück der Betongründung der Kranbahn mit den Gewindebolzen zur Befestigung der Schienen zum Vorschein. Auch ein dritter von vier Prellböcken ist dort, halb verschüttet, noch vorhanden. Eine restliche Schiene des Industriebahngleises liegt noch zwischen den westlichen Prellböcken. Dabei handelt es sich um jenes Gleis,das 1928 vom Hafenbahnhof aus zur neuen Kranbahn hin verlängert worden ist. Ganz in der Nähe erinnern auch Bordsteine, gepflasterte Wegstücke und Stümpfe von Treidelbahnmasten an die Zeit, als Teltow noch seinen Hafen mit Bahnanschluss hatte.

Quellen:

  • Adolf Hannemann, Der Kreis Teltow, seine Geschichte, seine Verwaltung, seine Entwicklung und seine Einrichtungen. 1931
  • Mitteilungen von Herrn Harry Gohl, Teltow
  • Abb 1 – Portalkrananlage: Foto aus Verwaltungsbericht der Stadt Teltow 1914-1928