Station 6: Die Badstraße

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Die Badstraße hieß im 17. bzw. 18. Jahrhundert Badergasse, was die Herkunft ihres Namens erklärt. Das bedeutet, dass einstmals ein Bader in der Badergasse gewohnt bzw. hier seine besondere Dienstleistung angeboten hatte. Aus der Berliner Geschichte wissen wir, dass die Bader für das gemeine Volk der einzige Anlaufpunkt bei Krankheiten, Unfällen oder chronischen Leiden war. Ihn gab es schon im ausgehenden Spätmittelalter und sie waren keine Quacksalber, denn sie mussten für die Anerkennung ihres Berufsstandes ein Examen ablegen.

Aus Teltower Quellen ist bekannt, dass in der Badergasse ein Baderhaus stand. Sein Bau muss vom Magistrat in Auftrag gegeben worden sein, denn an die Kämmerei war Miete für das Baderhaus abzuführen. Da es den Brand 1711 als eines der wenigen Häuser unbeschadet überstanden hatte, dürfen wir seine Errichtung und erste Existenz getrost ins 17. Jahrhundert legen. Allerdings ging es um 1760 wegen Baufälligkeit ein und als Nachfolgebau auf dem gleichen Grundstück stand im 19. Jahrhundert das so genannte Armenhaus. Den Standort des ehemaligen Baderhauses müssen wir uns etwa an der westlichen Ecke zwischen Badstraße und Oderstraße vorstellen.

Noch eine geschichtliche Besonderheit ist mit der Badstraße verbunden:

An ihrem Ende, wo heute das Zeppelinufer vorbeiführt lag das südliche Ufer des Schönower See’s, der durch den Teltowkanalbau unverschuldet seine Existenz einbüßen musste. Am Ufer nahe der Badstraße sollen laut Überlieferung manchmal die Schönower mit einem Boot angelegt haben, wenn sie zum Gottesdienst die Andreaskirche wollten. (Schönow hatte keine eigene Kirche und seine Einwohner waren deswegen in Teltow eingepfarrt).

Und am Ende der Badstraße auf der östlichen Seite soll sich eine öffentliche Wiese befunden haben, auf der man auch Wäsche oder Leinwand bleichen konnte. So ist dieser Platz an warmen Sommerabenden bestimmt oft ein Treffpunkt der Teltower Jugend gewesen, wo man sich zur Geselligkeit gerne eingefunden hatte.