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Der Kriegsbrunnen in Teltow

von Anton Sieber (2001)

Zwischen der St. Andreaskirche und dem Grundstück Breite Straße 21 stand etwa 40 Jahre lang ein Brunnen, der unter dem martialischen Namen »Kriegsbrunnen« bekannt war.

Brunnen in Breite Straße, Postkarte

Wie ein 1916, dem Jahr seiner Einweihung entstandenes Foto zeigt, ist von seinem späteren kriegerischen Symbolismus noch nichts zu sehen.

Nach 1916, während des 1. Weltkrieges, wurde der Brunnen mit sieben Granaten verschiedenen Kalibers regelrecht verschandelt. Die größte Granate verdrängte eine steinerne Kugel, die als Brunnenkopf oberhalb von 2 Wasserbecken thronte.

Kriegsbrunnen, Postkarte

Auf die Euphorie von 1914 folgte 1918 die Ernüchterung durch den verlorenen Krieg. 1921 wurde der Kriegsbrunnen wieder ziviler Brunnen. Die Granaten verschwanden und machten Platz für eine friedliche Blumenschale.

Nach Berichten von Zeitzeugen aus dem Heimatverein Teltow stand der Brunnen noch in den 50er Jahren an seinem Platz. Danach ereilte ihn ein den Menschen vergleichbares Schicksal. Er wurde auf den Teltower Friedhof transportiert. Am Ende des Hauptweges nach Süden, am Zaun zum Nachbargrundstück führte er noch etwa 20 Jahre ein unrühmliches Schattendasein ohne Wasserspiele, aber gefüllt mit Friedhofsabfall. Nach Auskunft der Friedhofsverwaltung soll er in den 70er Jahren endgültig »entsorgt« worden sein. Wo könnten die gewichtigen Steinquader liegen? Ein greifbares Stück Erinnerung an den Brunnen gibt es noch heute an seinem ersten Standort. Ein kleiner, etwa 40 cm hoher Zaunpfahl mit rundem Kopf und ein Stück verbogenes Flacheisen sind die Reste des Zaunes von 1916, der den Brunnen rechts und links gegen die Mauern des Grundstückes Breite Straße 21 abgrenzte.

Fotos: Archiv, Heimatmuseum Stadt Teltow

Eine Pumpe auf dem Marktplatz

von Anton Sieber (1999)

Bei der Rekonstruktion des Marktplatzes in Teltow im Jahre 1998 stießen die Archäologen um Kai Schirmer auf die Reste eines Brunnens.

Marktplatz mit Brunnen, Postkarte: Archiv Heimatverein

Der Heimatverein Stadt Teltow 1990 e.V. setzte sich damals für eine Markierung der Fundstelle im neuen Pflaster des Marktplatzes ein. Deshalb zeigt heute ein aus auffällig großen Steinen besetzter Ring diese Stelle an. Sie liegt an der Ecke des Marktplatzes, die an die Breite Straße grenzt.

An der markierten Stelle gab es noch am Ende des 19. Jahrhunderts einen für alle Bürger zugänglichen Brunnen mit einer Pumpe, die auf dem Foto sichtbar ist. Auf einem Foto des Teltower Fotografen Otto Semler aus dem Jahre 1914 ist diese Pumpe nicht mehr zu finden. – Die Stadt Teltow könnte in diesem Jahr ihr 100 jähriges Wasserfest feiern: 1899 erhielt sie ihr Trink­wassernetz. Danach hat man den Brunnen wohl aufgegeben.

Hoher Steinweg mit Pumpe, Postkarte Archiv Heimatverein

Auch im Hohen Steinweg, gegenüber dem heutigen Heimatmuseum, gab es damals eine Pumpe. Sie hat wahrscheinlich wesentlich länger gedient. Frostgeschützt durch ein Gehäuse ist sie noch 1938 auf einem Foto zu sehen.

Die Stadtverwaltung lässt jetzt an dieser Stelle auf dem Marktplatz im Mai einen Maibaum und zu Weihnachten einen Weihnachtsbaum aufstellen.