Die Teltow-Werft-Brücke

von Anton Sieber

Der vom alten Kreis Teltow gebaute Teltowkanal – von der Glienicker Lake bei Potsdam bis zur Wendischen Spree bei Grünau – ist 38 Kilometer lang. Bei seiner Eröffnung 1906 überspannten 52 Straßenbrücken diese Wasserstraße. Statistisch gesehen gab es fast alle 1200 Meter eine Brücke, Brücken brauchen Namen. Man wählte dafür die Mitglieder der Kanalkommission des Kreises Teltow, der die Ausführung des Kanals übertragen worden war.

Brückenübersicht am Kanal

Nach Kleinmachnow führte die Badewitz-Brücke1 und die Rammrath-Brücke2. Von Teltow nach Zehlendorf gelangte man über die Knesebeck-Brücke3, nach Lichterfelde über die Fritz-Schweitzer-Brücke4.

Letztere verband die Lichterfelder Allee mit dem Dahlemer Weg, wurde aber nach der 1945 erfolgten Sprengung nicht wieder aufgebaut.

Etwa in der Mitte zwischen Rammrath- und Knesebeck-Brücke lag die Teltow-Werft-Brücke, eine Stahlkonstruktion. Ihre Reste kann man sehen, wenn man auf der Berliner Seite die Sachtleben­straße in Richtung Teltowkanal geht. Am Eingang der rechts gelegenen Teltow-Werft stößt man auf ein altes Gleis mit 1 Meter Spurweite, das am Kanal auf dem erhalten gebliebenen nördlichen Widerlager der Brücke endet. Das südliche Widerlager ist nach dem 13. August 1961 abgerissen worden. Der Brückenzugang von Teltow aus war ein Fußweg, der rechts neben dem Einfamilien­haus Oderstr. 27 begann.

Brückenkopf der ehemaligen Fußgängerbrücke auf der Schönower Seite, Foto: P. Jaeckel 2005

In alten Landkarten ist die Teltow-Werft-Brücke als Fußgängerbrücke bezeichnet. Es führte aber auch das bereits erwähnte Gleis, aus der Teltow-Werft kommend, über die Brücke zu einem damals zur Werft gehörenden Holzlagerplatz an der Oderstraße. Das gab immer wieder zu der Vermutung Anlaß, dass die elektrische Treidellokomotiven über diese Brücke in die Werft gefahren sein könn­ten. Hier befanden sich ein Lokschuppen und acht Revisionsgruben sowie Werkstätten für Revision und Reparatur der Treidelloks. Ein vom Verfasser angestellter Vergleich der Abmessungen der Brücke mit denen der Treidelloks ergab, dass diese nur vorwärts vom Teltower Kanalufer zur Werft hätten fahren können und nur rückwärts von dort zum Teltower Kanalufer zurück. Im Schienen­leinpfad hätte dort eine Weiche existieren müssen, um die Loks vom Teltower Ufer zur Werft zu führen. Auf einem Luftbild aus dem Jahre 1928 ist jedoch keine Zufahrt vom Leinpfad zur Brücke zu finden. Auch lassen historische Fotos keine elektrische Oberleitung erkennen.

Werfteinfahrt, Sicht vom Teltowkanalufer, Foto: P.Jaeckel

Zeitzeugen, die in Kindertagen auf der Werft wohnten und den Treidelverkehr beobachteten sowie ein Anlieger des Holzlagers versicherten, dass über die Teltow-Werft-Brücke keine Treidellokomot­iven gefahren sind. Das vorhandene Gleis diente nur zum Materialtransport vom Lagerplatz zur Werft. Auf der Brücke lagen die Schienen in dem Holzbelag des Brückenbodens eingebettet, so daß die Brücke gut begehbar war. Im Zweiten Weltkrieg, so wurde mir berichtet, schoben kriegsgefan­gene Franzosen das für den Schiffbau bestimmte Holz und auch Fertigteile vom Lagerplatz in die Werft. Die Gefangenen waren in der Nähe des Lagerplatzes in Baracken untergebracht. Ab und zu gab es aber auch Autoverkehr auf der 2,60 Meter breiten Brücke, wenn ein kleiner Opel-LKW der Werft den Materialtransport übernahm.

Der Lagerplatz war sowohl an die Teltower Industriebahn als auch an den Schifftransport im Kanal angebunden. Es gab dort einen Anlegesteg. Von dort aus zog eine Winde das auf Wagen umgeladene Material auf den höher gelegenen Lagerplatz. Die Zufahrt der Treidelloks zur Werft lag am Nordufer des Kanals. Ein heute noch existierendes Gleis zweigte kurz hinter einer Leinpfadbrücke über den Stichkanal der Werft zum Lokomotivschuppen ab. Diese Leinpfadbrücke gibt es nicht mehr. Vorhanden ist ihr westliches gemauertes Auflager an der Grenze zum Kleinmachnower Augustinum.

Kraftwerk Schönow, Fußgängerbrücke rechts im Bild, Postkarte

Auch die Teltow-Werft-Brücke blieb vom Kriege nicht verschont. Sie wurde 1945 vom Volkssturm gesprengt und fiel, in zwei ungleich lange Teile zerrissen, in den Kanal. Nach der Eroberung des Berliner Kanalufers baute die Sowjetarmee eine Pontonbrücke östlich neben der zerstörten Brücke. Diese auf Schwimmkörpern gelagerte wurde später durch eine dicht über dem Wasserspiegel lie­gende Holzbrücke ersetzt. Letztere diente sowohl den Russen als auch den Amerikanern, die nach dem 4. Juli 1945 in ihren Sektor im Süden Berlins einrückten.

1950 soll die Stahlbrücke wieder begehbar gewesen sein. Die im Kanal liegenden Bruchstücke waren gehoben worden. Nahe des Berliner Kanalufers hatte man dazu eine Holzkonstruktion als Pfeiler ins Wasser gebaut, auf dem die aus zwei Teilen bestehende Brücke ihr drittes Lager fand. Provisorisch wieder aufgebaut, wurde die Teltow-Werft-Brücke als Grenzbrücke zwischen Ost und West schließlich Opfer des Kalten Krieges. Mit der hermetischen Abschottung der DDR von West­berlin wurde sie nach dem 13. August 1961 abgerissen.

Quellen:

  1. Dr. v. Badewitz, Rittergutsbesitzer in Siethen
  2. Rammrath, Ingenieur, Kreistagsabgeordneter
  3. Generalleutnant v.d. Knesebeck, Löwenbruch,
  4. F. Schweitzer, Mitglied der Kanalkommission, Zehlendorf
  • Chr. Havestadt, Festschrift zur Einweihung des Teltowkanals
  • Mitteilungen von Frau Scharfenberg, Herrn Polzin, Herrn Hauser (Teltow) sowie Frau Borchert, Herrn Timme und Herrn Seifert (Berlin-Zehlendorf)