Ernst von Stubenrauch

von Peter Jaeckel

Der Geburtstag des legendären Landrates des Kreises Teltow jährt sich am 19. Juli 2018 zum 165. Mal.

Dieses Jubiläum sei uns Anlaß, an den Werdegang und an die Leistungen des Man­nes zu erinnern, dessen Weitblick und dessen Ent­schei­dun­gen den Kreis Tel­tow und damit auch die Region, in der wir leben, entscheidend ge­stal­tet haben.

Ernst von Stubenrauch, Reproduktion

Seine visionären und Realität gewordenen Über­legungen hatten über den Kreis Teltow hinaus im Deutschen Reich richtungsweisenden Ein­fluß, wie zum Bei­spiel der Bau des Teltowkanals und die anschließende Industrieansiedlung, der Ausbau des Straßennetzes und die Aufhebung der Straßen­zölle, der Aufbau des Sozial- und Gesundheitssystems einschließlich dem Bau von Krankenhäusern und unter anderem schließlich auch im Sinne der Förderung der Volksgesundheit die Zulassung des Freibadens.

Mit diesen und anderen wichtigen Entscheidungen wurde der Kreis Teltow unter dem Landrat Ernst von Stubenrauch ein Vorreiter für viele Neuerungen und man sprach schließlich gern vom „Lieblingskreis des Kaisers“.

Ernst Stubenrauch ─ geadelt wurde er 1900 ─ wurde am 19. Juli 1853 in Sagan/Schlesien geboren, wo sein Vater als Kreisrichter amtierte. Er besuchte die Bürgerschule in Küstrin, bis die Familie Anfang der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts nach Berlin übersiedelte, wo sich der Vater als Rechtsanwalt niederließ.

Nach abgelegtem Abitur bezog Ernst Stubenrauch im Frühjahr 1870 die Universität Heidelberg, um Jura, Kameralia (staatliche Verwaltungslehre) und Volkswirtschaft zu studieren.. Er lernte dort den ebenfalls studierenden Kronprinzen und späteren Kaiser Wilhelm II kennen, was ihm später direkten Kontakt zum Schloß ermöglichte.

Bei Ausbruch des Krieges mit Frankreich verließ er bereits im Juli 1870 Heidelberg, um als Kriegsfreiwilliger in das Garde-Füsilier-Regiment einzutreten, in dessen Reihen er an der Belagerung von Paris teilnahm. Nach Beendigung des Krieges setzte er sein Studium in Berlin fort.

Am 19. März 1875 bestand er die Referendarprüfung. Nach Tätigkeiten als Kam­mergerichts-Referendar im Landsberg, Angermünde und Berlin bestand er 1879 die Assessorprüfung. Nach einer kurzen Tätigkeit als Hilfsrichter in Berlin trat er 1880 in den Verwaltungsdienst ein und wurde als Regierungsassessor der Regierung in Potsdam überwiesen.

Nach der Ernennung des Landrates Prinz Handjery, dem letzten, der in Teltow residierte, zum Regierungspräsidenten in Liegnitz, wurde Ernst Stubenrauch am 1. April 1885 mit der kommissarischen Verwaltung des Teltower Landratsamtes betraut. Das Landratsamt befand sich bereits seit 1871 in Berlin in der Körnerstr. 24.

Landratsamt Teltow, Foto: Peter Jaeckel

Im Vorfeld der endgültigen Berufung des 32jährigen bürgerlichen Assessors zum Landrat wurden massive Vorbehalte führender Kreisvertreter laut. Der mit den Vorbereitungen befaßte Innen­minister von Puttkamer fragte in Anbetracht dessen den Kandidaten, ob er den Mut habe, die Leitung des Kreises trotz der starken Gegnerschaft zu übernehmen. Was der Gefragte antwortete ist kennzeich­nend:

„Wenn Ew. Exzellenz den Mut haben, mich hinzuschicken ─ ich habe den Mut hinzugehen. Und ich glaube auch, daß die Herren mit mir ganz gut auskommen werden.“

Um die endgültige Berufung des neuen Landrates zu ermöglichen, faßte der Kreis­tag am 1. Juli 1885 einstimmig den folgenden Beschluß:

“ . . . die dem Kreistag gemäß § 74 der Kreisordnung vom 13. Dezember 1872 und 19. März 1881 zustehende Vorschlagsbefugnis für die Wiederbesetzung des erledigten Landratsamtes nicht auszuüben, vielmehr bei dem Herren Regierungspräsidenten in Potsdam zu beantragen, sich bei des Königs Majestät da­hin zu verwenden, daß zum Landrat des Kreises Teltow der zur Zeit mit der kommissarischen Verwaltung des Landratsamtes des Teltowschen Kreises be­traute Regierungsas­sessor Stubenrauch ernannt werde.“

Der König von Preußen entsprach der Bitte des Kreistages durch Anstellungsurkunde vom 18. August 1885. Am 20. August 1885 machte der Kaiser und König Wilhelm I. (Deutsches Reich) in dem zum Kreis Teltow gehörenden Schloß Babelsberg dem zur Audienz befohlenen Landrat Stuben­rauch hiervon persönlich Mitteilung. Damit war der 32jährige Bürgerliche Ernst Stuben­rauch unter den altge­dien­ten Adligen Landräten ein aufsehenerregendes Novum, das sehr kritisch beäugt wurde.

Kreis Teltow, Quelle: Teltower Kreiskalender 1920

Die Bevölkerung des Kreises Teltow, zu dem noch immer große Gemeinden am Rande Berlins gehörten, wuchs in jenen Jahren stark an, so daß das Landratsamt viel Arbeit hatte. Dafür standen dem Landrat 7 Beamten zur Verfügung, nach sieben Jahren waren es 23 Beamte.

Zu den üblichen Arbeiten kamen unter Stubenrauch Planungen für neue Verkehrsbauten, für Be- und Entwässerungsanlagen und schließlich auch für Krankenhäuser für die Verbesserung der Ver­sor­gung der Kranken.

Dank seiner überragenden Persönlichkeit mit großer Tatkraft vermochte er seine Beamten so anzu­leiten, daß die vielfältigen Aufgaben erfolgreich gemeistert wurden.
Als bedeutendste Arbeit ist die Planung und der Bau des Teltowkanals von 1900 bis 1906 in die Geschichte eingegangen. Hierbei waren die Probleme und An­for­derungen an das Landratsamt über Jahre außergewöhnlich hoch.

Es waren scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten mit dem sumpfigen Baugrund über weite Strecken zu bewältigen (Bäketal). Aber auch die bis zu 20m tiefen Einschnitte im Bereich Marien­dorf und Tempelhof machten durch nachdrückende Erdmassen aufwendige zeitraubende Maßnah­men erforderlich.

Mittelmühlenbrücke in Teltow (Ramrathbrücke), Postkarte: Sammlung Heimatverein Teltow

Auch die Koordination der Brückenbauten, besonders die für die der königlichen Eisenbahngesell­schaft, waren langwierig und kräftezehrend.
Viele verschiedenartige Interessen von Anliegern waren zu berücksichtigen und die Finanzierung zu organisieren. So entstanden im gesamten Kanalbauprojekt einschließlich Verbindungskanal Britz-Kanne und Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal z. B. 43 Straßenbrücken, 8 Eisenbahnbrücken mit insgesamt 20 Gleisen, 8 Leinpfadbrücken (Treidelbahn) und 3 Wegebrücken.

Machnower Schleuse – Unterwasserseite (West), Postkarte: Sammlung Heimatverein Teltow

Die elektrische Treidelanlage und die Machnower Schleuse einschließlich dem Kraftwerk in Schönow stellten deutsche Spitzentechnologie dar, die weltweit Beachtung und Nachahmung fand, zum Beispiel beim Bau des Panamakanals.

Schon damals war die Realisierung eines Bauvorhabens dieser Größenordnung nicht ohne ausländische Arbeitskräfte möglich, mit allen Konsequenzen der Ver­sorgung, Unterbringung und Betreuung. Auch das war eine nie dagewesene Herausforderung an den verantwortlichen Landrat und seine Beamten.

Die bereits während des Kanalbaus angelaufene Vermarktung von Ansiedlungsflächen für Industrie und Gewerbe prägte die Zukunft der Anliegergemeinden und Stadtbezirke am Kanal bis in unsere Zeit. So begann die Porzellanmanufaktur Schomburg &. Co GmbH in Teltow bereits 1904 mit ihrem Betrieb.

Kraftwerk Schönow ─ Maschinensaal

Die Elberfelder Papierfabrik am Nordufer in Schönow bei Teltow nahm auch bereits 1905 ihren Betrieb auf.
Damit einher ging der Bedarf an Industriearbeitern und deren Unterbringung und Versorgung mit steigender Tendenz entsprechend der rasanten Entwicklung in Teltow und ähnlich an den anderen Industriestandorten am Kanal (Lichterfelde, Mariendorf, Tempelhof u.a.).

Diese von Ernst von Stubenrauch initiierte Entwicklung hat Teltow und nicht nur Teltow strukturell völlig verändert. Die Bevölkerungszahlen haben sich vervielfacht (Teltow von ca. 3000 um 1900 auf ca. 17 000 seit den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts). Die Wohnbebauung und die Verkehrser­schließung hatten dem Rechnung zu tragen.

Die hochqualifizierte Industrie zog auch Forschungskapazitäten an, die besonders in der jetzigen Zeit das Profil des Arbeitsmarktes z. B. in Teltow weiter prägen. Der über 100 Jahre gewachsene Industriestandort bietet nach vielfältiger Modernisierung hervorragende Arbeitsmöglichkeiten ein­schließlich qualifizier­ter Arbeitskräfte.
Hier wird die Langzeitwirkung der Grundsatzentscheidungen des Ernst von Stubenrauchs am Beispiel seines Kanalprojektes anschaulich.

Im Zusammenhang mit der Industrialisierung und dem Anwachsen der Bevölkerung stieg das Transportaufkommen und der Mobilitätsbedarf der Menschen. Folgerichtig wurde dem Straßenbau unter Stubenrauch große Bedeutung beigemessen. Von 1887 bis 1907 wurden 45 Teilstrecken mit insgesamt 284 Straßen-km im Kreisgebiet gebaut. Wenn man bedenkt, daß seit 1823 bis zu seinem Amtsantritt 1885 insgesamt 320 km gebaut worden waren, dann ist auch diese Hinterlassenschaft außergewöhnlich.

Was die nähere Umgebung von Teltow betrifft, waren dies:

  • 1890 ─ die Straße von Teltow nach Ruhlsdorf und weiter bis zur Einmündung in die damalige Potsdam-Großbeerener-Provinzial-Chaussee mit insgesamt 4843m Länge,
  • 1891 ─ die Chaussee von Schönefeld über Waßmannsdorf, Kleinziethen, Mah­low und von Mahlow nach Teltow mit der Zweigchaussee nach Kleinbeeren mit insgesamt 19 273m Länge,
  • 1899 ─ die Chaussee von Zehlendorf über Kleinmachnow, Stahnsdorf, Gütergotz (Güterfelde) und Schenkendorf (Schenkenhorst) bei Großbeeren mit 9 630 m Länge sowie die Chaussee von Großbeeren nach Ahrensdorf mit 8 050 m Länge.

Dank des ausgezeichneten statistischen Materials des Kreiskämmerers Adolf Hannemann (1872 – 1924 im Amt!) erfährt man, daß der 1907 abgeschaffte Straßenzoll nur noch ca. 4% der Straßen­un­ter­hal­tungskosten ausmachte. Das mag den Landrat bewogen haben, den technischen und personel­len Aufwand für diesen Zoll einzusparen und den Zoll besser abzuschaffen.

Der inzwischen in Anerkennung seiner hohen Verdienste am 1. Januar 1900 von Kaiser Wilhelm II in den erblichen Adelsstand erhobene Landrat Ernst von Stubenrauch hatte, was das Verkehrs­wesen betraf, auch insofern zukunftsweisende Vorstellungen, als er der Straßenbahn, die probe­weise in Lichterfelde elektrisch angetrieben fuhr, große Bedeutung beimaß.

Für Teltow hatte das zur Folge, daß unter von Stubenrauchs Vorsitz die 1905 neugegründete Stra­ßen­bahnkom­mission dem Kreistag empfahl:

  • a) von der Aktiengesellschaft in Firma „Dampfstraßenbahn“ zwischen Großlichterfelde (Anhalter Bahnhof) – Seehof – Teltow – Stahnsdorf (Kleinmachnow) das ihr gehörige Straßenbahn-Unter­nehmen mit allem Zubehör anzukaufen und
  • b) den Dampfbetrieb in elektrischen Betrieb umzuwandeln, was der Kreistag dann auch am 10. Februar 1906 beschlossen hat.

Bewilligt wurden für den Straßenbahnankauf 850 000 Mark und für die Um­wandlung des Dampfbetriebes in elektrischen Betrieb 371 000 Mark.

Das Kraftwerk in Schönow, das den Strom für die Treidelbahn am Kanal, für die Straßenbahn und für die Teltower Industrie in ihren Anfängen lieferte.

Nachdem der Kreis Teltow die bereits im Jahre 1879 auf der stillgelegten Materialbahnstrecke von Großlichterfelde zur Kadettenanstalt installierte elektrische Straßenbahn (AEG) am 10. Februar 1906 erworben hatte, war der Kreis Teltow mit der Elektrifizierung der Teltower Strecke nun auch Vorreiter in der Einführung elektrischer Bahnen. In der Folge dieser Entscheidungen wurden praktisch spontan ab 23. März 1909 bis 1912 folgende Linien der Teltower Kreisbahn, so hieß die Gesellschaft inzwischen, mit elektrischem Betrieb gebaut:

  • – Bahnhof Steglitz – Grunewald – Südende – Mariendorf – Chausseestraße – Händelplatz – Steglitzer Str. – Drakestr. – Ringstr. – Carstennstr. – und am Parkfriedhof zur Berliner Str.
  • und schließlich die Verlängerung der Linie Grunewald – Dahlem – Bahn­hof Steglitz weiter bis zur Birkbuschstraße.

Ruhlsdorfer Platz, Teltow

Alle diese Teltower Kreisbahnen wurden mit dem Vertrag vom 6. Dezember 1921 von der sich 1920 inzwischen ausweitenden Stadtgemeinde Berlin übernommen.
Industrialisierung und Anwachsen der Bevölkerung zog in großem Umfang Baumaßnahmen eines­teils für die Industrieansiedlung als auch für Wohnungs­bau für die Unterbringung der Menschen nach sich.

Ernst von Stubenrauch war sich bewusst, daß ein wildes Ausufern der Bebauung vermieden werden muß. Sein unmittelbarer Einfluss in diesem Sinne wird beim Studium alter Bauakten aus seiner Amtszeit häufig bestätigt durch seine persönliche Unterschrift unter Baugenehmigungen, bzw. als Faksimile-Stempel.
Um die Problematik effektiv beherrschen zu können, wurde in seiner Amtszeit die Baupolizei­ord­nung 1887 und nochmals 1891 konkretisiert, um den Flächenverbrauch zu zähmen.

Heftig angegriffen wurde der Landrat deshalb namentlich von Terrainspekulanten und Grundbe­sitzern die, unbekümmert um die öffentlichen Belange, aus den Grundstücksverkäufen möglichst hohe Gewinne erstrebten.
Der Landrat musste sich beim Regierungspräsidenten rechtfertigen wegen des Vorwurfs, große Grundwerte zu zerstören. Ein Satz aus seiner Rechtfertigung verdient, zur Beurteilung seiner kraftvollen Persönlichkeit an dieser Stelle zitiert zu werden.

“ Diese Werte sind vielmehr ganz willkürlich und fingiert. Sie bestehen als solche nur unter der Voraussetzung, daß der Staat in der Rolle des Nachtwächters zur Seite steht und seine Pflichten zum Schutze der Allgemeinheit gröblich vernachlässigt, d. h. daß er eine Bebauung gestattet, welche überhaupt den Forderungen des gesunden Menschenverstandes Hohn spricht.“

Das neue Kreishaus (links) in der Viktoriastraße, im Vordergrund das neue Gebäude der Kreissparkasse, beides nach Entwürfen von v. Schwechten erbaut.

Neben dem Straßenbau, dem Bau des neuen Kreishauses in der Viktoriastr. 17, das am 18. Dezem­ber 1891 feierlich eingeweiht wurde und des Grunewaldturmes im Jahre 1897 war es vor allem der seit 1894 ein­setzende Bau von Krankenhäusern, der Stubenrauch auch ohne den Teltowkanalbau unverges­sen ge­macht hätte. Die Organisation der Kranken- und Unfallversicherung er­heischte förm­lich den Bau von Krankenhäusern. Es bestand auch deshalb die Notwendigkeit, Kreis­kran­ken­häuser zu errichten, weil die Berliner Krankenhäuser häufig wegen Überfüllung die Aufnahme von Kranken aus dem Kreisgebiet ablehnten.

1894 begann der Bau des Kreiskrankenhauses in Britz. Weitere Bauten folgten 1895 in Zossen, 1896 in Königswusterhausen, 1898 das Stubenrauchkrankenhaus in Lichterfelde mit Schwestern­mutterhaus und chemischem Untersuchungsamt, 1907 in Mittenwalde das Paul-Gerhardt-Kreiskran­kenhaus und 1909 in Nowawes (Oberlinhaus-Erweiterung).

1911, also nach von Stubenrauchs Amtszeit und Tod wurde der Krankenhaus­bau für Köpenick beschlossen nach einem kuriosen Handel.
Nachdem die Stadt Köpenick mehr als 25 000 Einwohner erreicht und damit das Recht erlangt hatte, aus dem Kreis auszuscheiden, stellte sie einen darauf ge­richteten Antrag.

Bei den Auseinandersetzungsverhandlungen ergaben sich Schwierigkeiten. Um sie zu überwinden, erklärte die Stadt Köpenick sich bereit, im Kreis zu ver­blei­ben, wenn der Kreis sich verpflichtet, ein Krankenhaus in Köpenick zu bauen. Die Stadt Köpenick verpflichtete sich gleichzeitig, das zum Bau erforderliche Grundstück an den Kreis unentgeltlich zu übereignen. Dieses Angebot nahm der Kreistag einstimmig an.

Um das Bild abzurunden sei erwähnt, daß Ernst von Stubenrauch sich auch der Förderung der Land- und Forstwirtschaft gewidmet hat. Der Umfang und die Pflege der gärtnerischen Anlagen, der Alleebäume an den Chausseen, sowie der land- und forstwirtschaftlich verwerteten Grundstücke des Kreises bedingte die Mit­wirkung eines sach- und fachverständigen Gärtners. Der Kreistag beschloß des­halb im Jahre 1900 einstimmig die Anstellung eines Kreisgärtners. Die Wahl fiel auf den wis­sen­schaft­lich vorgebildeten praktisch bewährten Gärtner Hübner.

Herrliche Garten-, Baum- und Schmuckanlagen sind unter der Leitung des Herrn Hübner im Kreise entstanden. Besonders hervorzuheben verdienen die gärtnerischen und Baumanlagen auf den Grund­stücken der Krankenanstalten Britz, Lichterfelde, Zossen, Mittenwalde, Königswusterhausen, Köpenick und Nowawes sowie am Teltowkanal und am Prinz-Friedrich-Leopold-Kanal, am Kaiser-Wilhelm-Turm als auch die zweckmäßige Herstellung und Ausstattung von Gewächshäusern bei den Krankenanstalten.

Der Auswahl, Anpflanzung und Pflege der Bäume an den Chausseen und auf den Kreisgrund­stücken wurde besondere Sorgfalt gewidmet. Für die Anzucht der Alleebäume und von Hecken­pflanzen wurden Kreisbaumschulen eingerichtet. Chausseerestflächen an Straßenkreu­zungen und Einmündungen wurden als Schmuckplätze gestaltet.

In den Chausseehausgärten wurden Edel­obst­bäume angepflanzt. Zur Haltbar­ma­chung der Baum­pfäh­le und Zaunstiele un­ter­hielt der Kreis eine zweckdienlich her­ge­stellte und eingerichtete Tränk­anstalt. Der Kreis kaufte in verschiedenen Waldgebieten Ödländereien auf, um sie aufzuforsten.

Auf vorteilhafte Ausgestaltung und Pflege der Dorfauen und Schulgärten hat Herr Hübner ebenfalls hingewirkt. Er wurde schließlich mit der Verleihung des Titels „Königlicher Garteninspektor“ ge­ehrt.

Die Ausführlichkeit der Erwähnung dieser Aktivitäten erscheint gerechtfertigt, weil damit eine nachhaltige Landschaftsgestaltung stattgefunden hat, die gleichermaßen bis in unsere Zeit nachwirkt, besonders wenn wir an die viel bewunderten Alleen denken.

Seine Fürsorge für die öffentliche Sicherheit fand seinen Ausdruck u.a. in der Gründung einer Polizeischule in Zossen und im Ausbau des Feuerlöschwesens. In seiner Amtszeit wurden 21 Feuerwehren neu gegründet, darunter die in Teltow im Jahre 1889. Er entsandte in den am 4. November 1894 konstituierten „Unterverband der freiwilligen Feuerwehren des Kreises Teltow“ seinen Kreiskommunal- und Sparkassenrendanten Adolf Hannemann, der diese Stellung bis zu seinem Ausscheiden als Kreiskämmerer im Jahre 1924 bekleidete.

Dank großer organisatorischer Vorbereitung und dank verbesserter Ausbildung und Übungstätig­keit kam der Unterverband des Kreises zu großen Ehren, so beim großen Feuerwehrmanöver bei dem 15. Deutschen Feuerwehrtag zu Charlottenburg im Jahre 1898 und im Jahre 1901 auf der Internationalen Ausstellung für Feuerschutz- und Rettungswesen zu Berlin.

Der oben erwähnte Kreiskämmerer Hannemann schrieb in seinem ausführlichen Bericht über den Kreis Teltow, seine Geschichte, seine Verwaltung, seine Entwicklung und seine Einrichtungen von 1931:

Der Landrat von Stubenrauch erfreute sich höchster Verehrung und Liebe in allen Schichten der Kreisbewohner und darüber hinaus, sowie der ihm unterstellten Beamten, Angestellten und aller soweit im Kreisamt Beschäftigten.
Der Landrat Stubenrauch ist allerhöchst ausgezeichnet worden: durch Verleihung des Roten-Adler-Ordens dritter Klasse, durch Verleihung der Roten-Kreuz-Medaille dritter Klasse und durch die Rettungsmedaille am Band.

Am 1. Januar 1900 verlieh ihm der Kaiser und König Wilhelm II. in Würdigung der hohen Ver­dienste um das Aufblühen des Kreises Teltow den erblichen Adel und am 2. Juni 1906 aus Anlass der feierlichen Eröffnung des Teltowkanals das Komturkreuz des Hohenzollern­schen Hausordens.

Am 6. Januar 1908 wurde der Landrat von Stubenrauch von dem Kaiser und König zum Polizei­prä­sidenten von Berlin ernannt mit dem Charakter eines Wirklichen Geheimen Oberregie­rungs­rats erster Klasse. Nur ungern sahen die Kreisbewohner ihren bewährten hochverdienten und geliebten Landrat von Stubenrauch aus dem Kreise scheiden.

Das auch dem Landrat von Stubenrauch der Abschied vom Kreis schwer wurde, ergibt sich aus folgender Kundgebung:

„Nachdem Se. Majestät der Kaiser und König mich in das Amt des Polizei­präsidenten von Berlin zu berufen geruht haben, schlägt mir die schwere Stunde des Abschieds von dem geliebten Kreise, in welchem ich durch die Gnade dreier Könige dreiundzwanzig Jahre des rüstigsten Mannesalters wirken durfte. Das Ergebnis dieser Wirksam­keit liegt abge­schlos­sen da. Ich fürchte kein Urteil, von wem es auch kommen möge; denn das Be­wußtsein der eigenen Unzulänglichkeit reift mit den Jahren, und Niemand wird die Erfolge meiner Wirksamkeit bescheidener einschätzen als ich selbst. Der größ­te Erfolg ist für mich der, daß die wechselseitige Anerkennung redlicher Arbeit zwischen meinen Teltower Landsleuten und mir ein Band geknüpft hat, daß durch keinen Abschied zerrissen werden kann. Jedem meiner lieben Landsleute drücke ich bewegten Herzens in Gedanken die Hand.“
B e r l i n, den 7. Januar 1908

v o n S t u b e n r a u c h

Ende August 1908 machte sich bei ihm ein Halsleiden bemerkbar. Das Leiden verschlimmerte sich so, daß ein operativer Eingriff vom Chefarzt des Lichterfelder Krankenhauses, Geheimrat Prof. Dr. Riese erforderlich wurde. Der Erfolg war leider nicht nachhaltig. Kuraufenthalte in Kissingen und Oberhof brachten auch nicht den erhofften Erfolg. Weitere ärztliche Behandlungen in Schierke im Harz vermochten den Verlauf der Krankheit nicht aufzuhalten. Ernst von Stubenrauch ist dort am 4. September 1909 gestorben.

Die Trauernachricht rief überall im Kreisgebiet Bestürzung und aufrichtige innige Trauer hervor. Von den öffentlichen Gebäuden wehten die Flaggen auf Halbmast.
Sein Nachfolger im Amt Landrat von Achenbach sagte in seinem Nachruf:

„. . .Was er uns gewesen ist, steht unausgelöscht im Herzen jedes Kreisinsassen. Die Anerkennung seiner 23jährigen Arbeit hat ein Band um ihn geschlungen, das auch durch den Tod nicht zerrissen werden kann.“

Aber nicht nur der Kreis trauerte; weit über die Grenzen des Kreises rief die Nachricht allgemeine Teilnahme hervor.

Kreishaus

Seine Überführung nach Berlin erfolgte am 6. September mit dem Zug, der abends um 8 Uhr auf dem Potsdamer Bahnhof eintraf. Sein Trauerkondukt pas­sierte auf dem Weg zur Garnisonkirche in der Neuen Friedrichstraße auch das Kreishaus in der Viktoria­straße. Auf dem Balkon, des in tiefem Dunkel gehüll­ten, Trauerschmuck tragenden Kreishauses, erwartete die hochbetagte Mutter des Verstorbenen den Trauerzug.

Die Trauerfeier fand am 8. September um 11 Uhr statt. Die Kirche war über und über geschmückt mit Eichenlaub aus den Waldungen des Kreises Teltow, sowie mit Kugellorbeerbäumen. Weiße Blumen bedeckten den Eichensarg. Eine riesi­ge Fülle von Kränzen und Blumenarrangements häuften sich zu beiden Seiten des Sarges und zog sich noch auf den Seitengängen hin. Die Anteil­nahme war also überwältigend und umfassend.

Die Ansprache hielt der Militäroberpfarrer Goens. Er legte ihr das Bibelwort Mathäus 12 Vers 25 zugrunde:

„Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens“.

Dieser Satz fand seinen Platz auf dem linken Seitenteil des Denkmals auf dem Genshagener Dorf­friedhof, wo v. Stubenrauch seine letzte Ruhe fand. Das rechte Seitenteil des Grabmals trägt die Aufschrift:

“ Große Gedanken und reines Herz, das ist es, was wir uns von Gott erbitten. Goethe“

Das Denkmal wurde von dem Architekten Hans Bernuoilli entworfen und von Mitarbeitern der Werkstatt für Friedhofskunst in Berlin ausgeführt. Die Überführung nach Genshagen, wie auch die Trauerfeier in der Kirche in Berlin, fand unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt.

Ernst von Stubenrauch hatte seit 1891 in Genshagen im Hause seiner Frau Frieda Freiin v. Eberstein im Schloß Genshagen gelebt.

“ So schönes, wie mir genommen ist, kann mir niemals wieder­gegeben werden und unter allen Titeln, allen Ehren meines Lebens wird immer der köstlichste Ruhm der bleiben, daß ich von mir sagen, rufen und rühmen darf: Ich war Landrat des Kreises Teltow.“

v. Stubenrauch
bei seinem Abschied vom Landratsamt.

Sein Name lebt weiter an Straßen und Brücken in Berlin und

  • am Stubenrauch­denkmal in Teltow auf dem Altstadtmarkt mit einer Bronze­büste von Prof. Ferdinand Lepcke aus Kleinmachnow,
  • an der Stubenrauchbrücke in Tempelhof,
  • der Stubenrauchbrücke in Köpenick,
  • der Stubenrauchstraße in Zehlendorf,
  • der Stubenrauchstraße in Babelsberg/Kohlhasenbrück
  • der Stubenrauchstraße in Friedenau,
  • der Stubenrauchstraße in Lichterfelde
  • und der Stubenrauchstraße in Treptow.

Übrigens hatte v. Stubenrauch angeregt, die Geschichte des Kreises Teltow aufzuschreiben. Willi Spatz, der Oberlehrer aus Schöneberg bei Berlin, übernahm diesen Auftrag. Der erste Teil, „Bilder aus der Vergangenheit des Kreises Teltow“ erschien 1905 gefördert durch den Landrat, den Kreisausschuss und den Kreistag.

Das Grabmal, des für unser ehemaliges Kreisgebiet so verdienten Landrats Ernst von Stubenrauch, ist zur Zeit verwahrlost. Es ist von großen Bäumen so überwuchert, das kaum noch Licht darauf­ fällt. Die Sicht auf die Anlage ist damit versperrt. Da auch kaum noch Regen und kein Tau durchdringt, ist die Bepflanzung vertrocknet. Die Grabanlage ist so solide gebaut, daß alle Teile noch erhalten sind. Eine Instandsetzung wäre möglich und sollte dringend organisiert werden.

Quellenangabe:

  • Kreiskämmerer Adolf Hannemann, Der Kreis Teltow, seine Geschichte, seine Verwaltung, seine Entwicklung und seine Einrichtungen, 1931 Herausgeber: Kreisausschuss.
  • Teltower Kreiskalender: Jahrgänge 1910, 1911, 1935.
  • Straßenführer durch Berlin und Vororte, Berliner Lokalanzeiger von 1907.
  • Postkartensammlung ─ Heimatverein Stadt Teltow 1990 e.V., Diese Quellen befinden sich im Archiv des Heimatvereins Stadt Teltow 1990 e.V.
  • Bernd Heimberger, Amtmann im Lieblingskreis des Kaisers